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News aus der Großtierpraxis

August'18: Der August ist da - und mit ihm auch die Lungenwürmer

Der Lungenwurm – ein lästiger Weideparasit der bei Rindern in allen Altersklassen erhebliche Gesundheitsschäden verursacht. Das höchste Infektionsrisiko Ihrer Tiere besteht vor allem in warmen, nassen Sommermonaten.
Die infektiöse Lungenwurmlarve wird von den Rindern beim Grasen auf der Weide aufgenommen. Sie wandert durch den Darm in die Lunge und entwickeln sich dort zum ausgewachsenen, bis zu 10 cm langem Wurm. Auch die Eiablage findet in der Lunge des Rindes statt. Hochgehustete Eier und Würmer werden von den Tieren wieder hinuntergeschluckt. Die Eier bilden sich im Verdauungstrakt zu Laven und werden mit dem Kot ausgeschieden – und der Kreislauf beginnt von vorne.

Ein Rind, das mit Lungenwürmern infiziert ist erkennen Sie an folgenden Symptomen: Husten, erhöhte Atemfrequenz, schleimig und schaumiger Nasenausfluss, Sägebockstellung (Tiere halten Kopf nach unten und ziehen mit geöffnetem Maul Luft ein), teilweise Fieber und einem matten Allgemeinzustand.

Es gibt verschiedenen Methoden einen Lungenwurmbefall nachzuweisen. Eine Möglichkeit ist der direkte Nachweis von Lungenwürmern im Kot. Hierzu wird eine frische Kotprobe benötigt. Als zweite Möglichkeit steht ein serologischer Nachweis über eine Blut- oder Tankmilchprobe zur Verfügung. Bei bekannten Lungenwurmproblemen kann auch eine Impfung durchgeführt werden.

Sollte in Ihrem Bestand ein Lungenwurmbefall diagnostiziert werden ist es wichtig, den Befall zu behandeln. Es helfen alle Arzneimittel, die auch gegen Magen-Darm Würmer eingesetzt werden. Sinnvoll ist es aber, vorbeugende Maßnahmen wie zum Beispiel die Weidezeit auf unter fünf Monate zu begrenzen und vor dem ersten Austrieb die Weide zur Heu- oder Silagegewinnung zu nutzen. Bei diesen Vorgängen sterben die Lungenwürmer ab.

September '18: Rinderhaltung - Wenn der "Wurm" drin ist

Magen-Darm-Würmer. Ein Begriff mit dem sich jeder Rinderhalter befassen sollte. Gerade wenn die Weideperiode zu Ende geht und die Tiere wieder eingestallt werden ist es wichtig, sich über das richtige Management zu informieren – denn nur so können wirtschaftliche Einbußen verhindert werden. Der Infektionsdruck in der Weidezeit auf feuchten Wiesen ist hoch. Neben Magen-Darm-Würmern kann ebenfalls eine Infektion mit Leberegeln und Lungenwürmern erfolgen.

Um eine gute wirtschaftliche Vorgehensweise und zugleich ein optimales Tierwohl zu erzielen ist es wichtig, grundlegend über die Ansteckung, Ausbreitung und Auswirkung von Endoparasiten informiert zu sein. (Lungenwürmer siehe Monatsthema Aug. 2018)

Magen-Darm-Würmer:

Infektiöse Larven werden von den Rindern beim Grasen aufgenommen und dringen über den Labmagen dann in die Schleimhäute ein. Dort entwickeln sie sich zum ausgewachsenen Wurm und legen ihre Eier ab. Diese werden von den Rindern wieder ausgeschieden und reifen auf der Wiese wieder zu Larven heran.

 (Bild: Mikroskopische Ansicht Ostertagia; Diagnose von Helminthosen durch koproskopische Untersuchung; D. Thienpont; F. Rochette; O.F.J. Vanparijs)

Leberegel:

Die adulten, in der Leber lebenden, Leberegel scheiden ihre Eier mit dem Kot aus. In Tümpeln und stehenden Gewässern auf der Weide schlüpfen aus den Eiern Flimmerlarven, die nach dem Schlupf ihren Zwischenwirt die Zwergschlammschnecke aufsuchen. In der Schnecke entwickeln sich aus einer Flimmerlarve innerhalb von 6-12 Wochen 200-300 Schwanzlarven. Diese verlassen die Schnecke und entwickeln sich zur Kapsellarve. Die Kapsellarven überleben 2-6 Monate auf Futterpflanzen und im Heu. Von einem Rind aufgenommen dringen die Kapsellarven durch den Darm in die Bauchhöhle ein und wandern zur Leber. Dort entwickeln sie sich zu adulten Leberegeln und leben in den Gallengängen und zuvor durchwandern sie das Lebergewebe.

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Befallene Kühe werden häufig nicht klinisch krank. Durch den unerkannten subklinischen Verlauf kommt es oft zur Schädigung wichtiger Organe und somit auch zu Leistungseinbußen, beispielsweise der Milchleistung der Kühe oder den Tageszunahmen der Jungtiere. Darum ist gerade zum Ende der Weideperiode ein Monitoring des Verwurmungsgrades der Herde sinnvoll. Das Kontrollprinzip Ihrer Rinder beinhaltet neben einer strategischen Behandlung von befallenen Tieren auch Management-Maßnahmen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. So kann unter anderem auch der Kontaminationsgrad der Weideflächen besser abgeschätzt werden. Hierzu kann eine Tankmilchprobe zur Untersuchung auf Antikörper gegen Leberegel und Magen-Darm-Würmer der Kühe entnommen und untersucht werden. Je nach Anzahl der Antikörper (Titer) im Blutbild der Tiere kann das ein Leistungseinbußen von bis zu vier Liter Milch pro Tier und Tag bedeuten und auch die Fruchtbarkeit der Tiere vermindern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wurmfreie Tiere deutlich mehr Leistung erbringen können und so wirtschaftlich gewinnbringender sind.

Oktober '18: Die Rindergrippe

Jedes Jahr im Herbst/Winter führt sie zu schweren finanziellen Verlusten – Die Rindergrippe

Dabei ist die Rindergrippe nicht auf einen bestimmten Erreger zurückzuführen, sondern ein sogenanntes multifaktorielles Geschehen. D.h. die Entstehung bedingt das Zusammenwirken vieler Faktoren wie z.B. dem Immunstatus der Tiere, dem Infektionsdruck, dem Stresslevel der Tiere, den Haltungsbedingungen, den Wetterbedingungen und vielen mehr.

Die Lunge des Rindes ist durch den hohen Verzweigungsgrad und das im Verhältnis zum Tier geringe Volumen grundsätzlich anfällig. Darüber hinaus erreicht die Rinderlunge ihre volle Immunkompetenz erst nach ca. 1 Jahr.  Daher sind Jungtiere besonders in einem Alter von 2-6 Monaten vermehrt betroffen, aber auch Kühe können schwer erkranken.

Ausgangspunkt der Erkrankung ist meist ein Stressereignis (Umstallung, Enthornung, Wetterumschwung, Zugluft, hohe Ammoniakgehalte in der Atemluft) bei gleichzeitiger Anwesenheit von typischen Erregern (BRSV,PI3-V, Pasteurellen).

Nun gibt es 2 mögliche Szenarien:

  1. Das Immunsystem kann die anfänglich virale Infektion unter Kontrolle bringen und die Tiere haben nur einen bis zwei Tage Fieber (>40°C), verminderte Fresslust sowie eine erhöhte Atemfrequenz. Danach erholen sie sich schnell und die Lunge erleidet bei entsprechender Behandlung keinen bleibenden Schaden.
  2. Die virale Infektion führt zu einer Schädigung der Schleimhäute der Atemwege sowie zu einer überschießenden Entzündungsreaktion mit Verengung der Luftwege und Lungenödem. Die Tiere zeigen hohes Fieber (>40°C), liegen viel, atmen deutlich erschwert, haben Nasenausfluss und stellen die Futteraufnahme ein. Auf die ursprünglich virale Infektion folgt dann durch die Vorschädigung häufig eine bakterielle Sekundärinfektion mit Pasteurellen. Dies führt zu einer eitrig, fibrinösen Lungenentzündung mit bleibender Schädigung der betroffenen Lungenanteile.

Bei einer möglichst frühzeitigen Behandlung können meist auch die Tiere geheilt werden, bei denen die schwere Verlaufsform vorliegt. Dabei ist eine Behandlung immer mit erheblichen Kosten verbunden und der Erfolg kann nicht garantiert werden. So liegen die Kosten bei der leichten Form der Infektion bei ca. 90€ pro Tier, während der schwere Verlauf zu finanziellen Kosten von ca. 234€ pro Tier führt1. Die Verluste setzen sich zusammen aus Behandlungskosten und Wachstumsverzögerung/Leistungsminderung1.

Daher sollte der Fokus auf prophylaktischen Maßnahmen liegen. Dazu gehören unter anderem:

  • Schutzimpfungen
  • Eine gute Kolostrumversorgung
  • Ein gutes Stallklima
  • Stressreduzierung für die Tiere

Neben Verbesserungen von Haltungsbedinungen für die Tiere haben sich besonders Schutzimpfungen in der Vorbeuge der Rindergrippe bewährt. Für die Schutzimpfungen existieren eine Vielzahl von Impfstoffen und Impfschemata, deren Vor –und Nachteile auch immer von den Betrieben abhängen. Bewährt hat sich die intranasale Erstmpfung mit einem Lebendimpfstoff, der auch bereits erkrankten Tieren verabreicht werden kann. Eine Impfung der empfänglichen Tiere verhindert die Infektion nicht immer, führt aber zumindest zu einer milderen Verlaufsform der Erkrankung und einer langanhaltenden Immunität.

Folgendes Impfschema hat sich bewährt:

  1. Schutzimpfung mit einem Lebendimpfstoff intranasal ab dem 8. Lebenstag
  2. Auffrischungsimpfung nach 21-28 Tagen mit einem Totimpfstoff intramuskulär

Die Impfung sollte möglichst vor einer Risikoperiode (feuchte Witterung) erfolgen. Zeigen bereits neugeborene Kälber Symptome einer Lungenentzündung, kann die Impfung der trockenstehenden Kühe helfen.

 

 Ein sinnvolles Impfregime kann sowohl das Tierwohl verbessern als auch die Verluste durch die Rindergrippe mindern.

(1 Lührmann, B. (2009): Krank und teuer, DLZ 7/2009)

November '18: Korrektes Verabreichen von Zitzenversieglern

Die meisten Eutererkrankungen entstehen in der Trockenstehzeit, wobei die ersten beiden Wochen nach dem Trockenstellen und die letzten beiden Wochen vor der Abkalbung besonders kritische Phasen darstellen. Der Zitzenverschluss ist während dieser Zeit entscheidend.

Bei gesunden Tieren bildet sich ein Keratinpfropf (Absonderung der Zitzenschleimhaut), der die Zitze während der Trockenstehzeit vor eindringenden Mastitiserregern schützt.
In einer deutschen Studie wurde festgestellt, dass bei etwa 50% der Kühe mit einer Milchleistung von über 21 kg pro Tag zum Laktationsende der Zitzenverschluss nach einer sechswöchigen Trockenstehzeit nicht ausreichend ausgebildet ist. Auch bei leichtmelkenden Kühen oder Zitzen mit Hyperkeratosen (Hornhautwucherungen an der Zitzenspitze) ist der Strichkanal oftmals nicht geschlossen und somit besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Antibiotikaeinsatz verringern

Seit einigen Jahren gibt es künstliche Zitzenversiegler am Markt, um das Eindringen von pathogenen Keimen in der Trockenstehzeit zu verhindern. Einer Umfrage unter niederösterreichischen Milchviehhaltern zufolge, verwenden nur 12 % der Milcherzeuger interne Zitzenversiegler. Die Wirksamkeit der Anwendung wurde von mehreren unabhängigen Forschungseinrichtungen bestätigt. Durch den Einsatz des Zitzenversieglers zum Trockenstellen kann der Einsatz von Antibiotika deutlich verringert werden. Beim selektiven Trockenstellen ist der Zitzenversiegler mittlerweile ein fixer Bestandteil des Trockenstell-Management.

Was ist ein interner Zitzenversiegler?

Interne Zitzenversiegler haben die Aufgabe, den natürlichen Keratinpfropf zu unterstützen und stellen einen Verschluss der Zitze über die gesamte Dauer der Trockenstehzeit dar.
Somit wird das Eindringen von Mastitiserregern aus der Umwelt verhindert und die Gefahr für Neuinfektionen wird verringert. Zitzenversiegler können bei gesunden Eutern anstelle von Antibiotika eingesetzt werden und bei euterkranken Kühen auch in Kombination mit antibiotischen Trockenstellern. Der interne Zitzenversiegler wird in einem Injektor nach dem letzten Melken in die Zitze verabreicht.
Worin liegt der Unterschied? Trockensteller verfolgen das Ziel, Mastitiserreger mithilfe von antibiotischen Wirkstoffen im Euter abzutöten. Zitzenversiegler bestehen aus einer viskosen Paste ohne antibiotischen Wirkstoff, die während der Trockenstehphase in der Zitzenzisterne verbleiben soll, um das Eindringen von Keimen in das Euter zu verhindern. Der künstliche Pfropf wird durch händisches Melken am Laktationsbeginn entfernt.

Tierindividuelle Entscheidung

Die Anwendung eines Zitzenversieglers ist bei Kühen sinnvoll, die eine schlechte Zitzenkondition im Schließmuskelbereich aufweisen. Darunter fallen leichtmelkende Kühe, Kühe, die die Milch laufen lassen, und Kühe mit Schädigungen des Schließmuskels durch Ödeme oder Hyperkeratosen.
Die alleinige Verwendung eines internen Zitzenversieglers ist nur bei Tieren mit niedrigem Zellgehalt (weniger als 150 000 Zellen / ml in den letzten drei Probemelkungen vor dem Trockenstellen), negativem oder leicht positivem Schalmtest (+) auf allen Vierteln und negativem bakteriologischen Befund zu empfehlen. Eine strenge Anwendungshygiene ist bei Trockenstellpräparaten jeder Art unerlässlich. Die korrekte Anwendung ist die Voraussetzung für die gewünschte Wirkung der Präparate. Folgendes sollten Sie bei der Verabreichung von Zitzenversieglern beachten:

 

1. Markierungsbänder anlegen bzw. am AMS sperren
2. Euter sorgfältig reinigen
3. Euter gründlich ausmelken
4. Zitzen trocknen lassen
5. Neue Einweghandschuhe anziehen
6. Zitzenspitze, insbesondere Strichkanalöffnung, mit alkoholgetränkten Tüchern abreiben. Dabei abgewandte Viertel zuerst desinfizieren
7. Schutzkappe des Injektors abziehen: Tube oder Kappe dabei nicht in den Mund nehmen und die Spitze nicht berühren
8. Die Zitzenbasis zwischen Daumen und Zeigefinger fest abklemmen
9. Injektorspitze 3 bis 4 mm in den Strichkanal einführen. Mit langsamer Abgabe der Paste in die Zitzenzisterne muss das Gefühl der allmählichen Füllung entstehen. Den Injektor aus dem Strichkanal ziehen und die Zitzenbasis wieder öffnen.
10. Nicht hochmassieren
11. Dippen aller Zitzen mit zugelassenem Dippmittel mit einer hautpflegenden Komponenente

 

(Quelle: Allgäuer Bauernblatt 43/2018; Romana Berger MSc./Foto: Landwirtschaftskammer Niederösterreich)

Januar '19 und Februar '19: Blauzungenkrankheit

Derzeit hört man viel über die Blauzungenkrankheit. Daher gibt es jetzt im Januar einen kurzen Überblick über klinische Erscheinung, Verlauf, Verbreitung und Folgen für den Betrieb.

Die Blauzungenkrankheit ist eine vorwiegend subklinisch (also nicht erkennbare) verlaufende Erkrankung. Sie wird durch das BlueTongueVirus (BTV) hervorgerufen. Es gibt 24 unterschiedliche Arten (Serotypen) des Virus, von denen in Mittel -und Südeuropa hauptsächlich die Serotypen 4 und 8 (BTV4 und BTV8) vorkommen. Das Virus vermehrt sich hauptsächlich in den Zellen der Blutgefäße mit daraus resultierenden Folgen für den Kreislauf.

Als Virusreservoir (Infektionsquellen) dienen neben Rindern vor allem Schafe, Ziegen und Wildwiederkäuer.

Übertragen wird das Virus nach derzeitigem Kenntnisstand fast ausschließlich durch Stechmücken (Culex spp.), so dass eine Übertragung von Tier zu Tier unwahrscheinlich ist. Allerdings konnte das Virus mit dem Samen infizierter Bullen auf Kühe übertragen werden.

Da die Mücke als Überträger gebraucht wird, kommt es in der Regel auch nur im Frühjahr/Herbst zur Ausbreitung der Erkrankung.
Wie bereits beschrieben kommt es in der Regel zu einem milden Krankheitsverlauf. Dieser ist gekennzeichnet durch einen leichten Temperaturanstieg, vermindertem Appetit mit Speicheln, sowie Trägheit und vorsichtigem Gang der betroffenen Tiere.

In schweren Fällen kommt es zu einem starken Temperaturanstieg (bis 42°C), Rötung der Kopfschleimhäute, starkem Speicheln und Schwellung sowie Blaufärbung der Zunge und des Flotzmauls. Daher kommt auch der Name der Krankheit. Darüber hinaus entwickeln sich Erosionen und Ulzerationen auf der Zunge/Flotzmaul, am Kronsaum und an den Zitzen.
Sind die infizierten Tiere tragend, kann es zu Missbildungen sowie Aborten kommen.

Da es sich um eine Anzeigepflichtige Tierseuche handelt, ist der Tierarzt bei dem Verdacht auf die Blauzungenkrankheit verpflichtet, diesen Verdacht dem Veterinäramt zu melden.